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Benjeshecke


Lebensraum in der Agrarsteppe

Der Name Hermann Benjes steht für ein von ihm entwickeltes Flurbelebungskonzept, das in Deutschland einmalig ist. Das Ausgangsmaterial für die Hecke ist sparriges Astmaterial von heimischen Laubbäumen und Sträuchern wie es bei der Gehölzpflege anfällt. Auf der Fläche, auf der zukünftig die Hecke entstehen soll, wird in ein- oder zweireihigen Wällen das Astwerk locker aufgeschichtet und sich dann selbst überlassen. Durch gezielte Initialpflanzungen können besonders in ausgeräumten Ackerfluren die natürlichen Entwicklungsprozesse unterstützt werden. Die Hecke sollte mindestens 4m breit sein. Als Initialpflanzung dienen heimische Straucharten wie Heckenrose, Weißdorn, Holunder, Schlehe, Hasel usw.

Im ersten Winter bietet das Gestrüpp in seinem Innern verschieden große Hohlräume, in denen sich ein Mikroklima bilden kann. Das ist ein Zufluchtsort für verschiedene Tierarten. Die frischen und saftigen Zweige bieten manchen von ihnen außerdem eine Nahrungsquelle. Die neu gepflanzten Sträucher bleiben für die Rehe durch das Gestrüpp unerreichbar. Im ersten Sommer hat sich das aufgeschichtete Gestrüpp in eine Hochstaudenkultur verwandelt, die eine magische Wirkung auf Insekten ausübt. Diese wiederum ziehen viele Arten von Vögeln an. Sie finden im Gestrüpp Ansitzmöglichkeiten, Nahrung und Unterschlupf bei Gefahr. Mit dem Kot der Vögel gelangen die Samen der späteren Heckensträucher in das Gestrüpp. Um nicht zu lange warten zu müssen, kann man die natürliche Entwicklung beschleunigen, indem Sträucher untergepflanzt werden. Nach wenigen Jahren gehen Hochstauden und Sträucher nahtlos ineinander über. Mit dem hingeworfenen Gestrüpp haben wir eine Kettenreaktion ausgelöst, die sich überall wiederholen lässt.

Das Astmaterial ist zerfallen und eine Feldhecke ist entstanden, die in unserer oft ausgeräumten Agrarsteppen von unschätzbarem Wert ist. Sie ist inmitten ökologisch oft toter Flächen ein Lebensraum für viele bestandsbedrohte Tier- und Pflanzenarten. Sie trägt als Windschutz zur Verminderung der Bodenerosion und zur Ertragssteigerung auf den umliegenden landwirtschaftlichen Flächen bei. Sie wirkt gliedernd und belebend in unserer erzgebirgischen Landschaft.

In den 50iger und 60iger Jahren wurden in unserer Region die Biotopstrukturen unserer Kulturlandschaft tiefgreifend vernichtet, um Platz für eine industriemäßige Großraumlandwirtschaft zu schaffen. Hecken, Baumbestände, Feldwege, Hohlwege, Natursteinmauern und z.T. auch Gewässer wurden dabei vernichtet wo es ging. Die Reste erkennt man heute noch gut in Waldnähe oder in steilen Lagen. So entstanden Felder, die teilweise mehrere Kilometer Länge erreichten.

Mit der Anlage unserer Benjeshecke am Pfarrweg in Raschau haben wir 1997 einen Anfang im Emmlergebiet gemacht, um diese Flächen zu gliedern und neu zu beleben. Im Grünhainer Raum entstanden durch die Gebrüder Ficker bereits Anfang der neunziger Jahre mehrere hundert Meter Benjeshecke.

Unsere Benjeshecke steht auf dem Land der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Raschau und wurde in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband angelegt. Sie ist 340m lang und 5m breit – 1700 m² Lebensraum in lebensfeinlicher Agrarsteppe!

Verschiedene Arten von Heckenrosen, Holunder, Weißdorn, verschiedene Weiden und etliche Bäume sind Wind- und Sonnenschutz, aber auch ein Augenschmaus beim Begehen des Pfarrweges!